Geschiche der Rocker- und
Clubbewegung
verfasst von Martin Hecht
Quelle:
http://www.german-biker-stuff.de/,
copyright: Martin Hecht
Dazu auch: Bikerphilosophie
Link: http://home.t-online.de/home/schnierks/index4.htm
Die Entstehung der Motorrad-Clubs
(MCs)
Bevor wir zum Umfeld unserer deutschen Biker-Szene kommen möchte ich euch etwas
über die Entstehung der Biker-Szene überhaupt erzählen.
Der Ursprung unserer Szene liegt
nicht etwa, wie von vielen angenommen in Europa, sondern in den Weiten der USA.
Dort wurden bereits in den Jahren
1912-1913 von der F.A.M (Federation of American Motorcyclists) professionelle
sowie Amateur-Motorradrennen veranstaltet. Die Motorrad-Marken dieser Zeit
trugen so klangvolle Namen wie Indian, Excelsior, Thor und nicht zuletzt
Harley-Davidson. Damals wurden an diesen Rennwochenenden 100-350 Meilen Rennen
ausgetragen. Zu dieser Zeit noch Motorcycle-Racing genannt.
Veranstaltet wurden an diesen
Wochenenden Flattrack-, Boardtrack-, Hillclimb- und Endurance-Rennen. Mit dem
Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg konnten diese Sportveranstaltungen nur
noch von Händlern unterstützt durchgeführt werden. Nach dem Kriegsende war
die F.A.M die erste Motorrad Organisation der USA. Im Jahre 1919 bauten die
Firmen ihren eigenen Industrieverband, die Motorcycle and Allied Trades
Association (MATA) aus. Die dann im Jahre 1920 gegründete "Riders
Division" als Sektion der MATA, organisierte ab 1921 statt ihrer
Muttergesellschaft die Motorrad-Sportveranstaltungen. Sie löste sich jedoch 1924
von dem Industrieverband MATA und nannte sich seitdem AMA, American Motorcycle
Association. Die AMA ist noch heute der übergeordnete US-Motorradverband.
Mit den Jahren waren jedoch viele
der Motorradwettbewerbe für Amateure bzw. Privat-Fahrer nicht mehr durchführbar
oder erschwinglich, da Sie keine Werksunterstützung hatten. Lediglich Hillclimb
und Flat-Track Rennen waren für diese interessant. Hätte es jedoch diese
Rennwochenende nicht gegeben, würde es unsere Szene wohl also auch nicht geben.
Denn unser Ursprung liegt in diesen Jahren des Motorradsports. Viele
Privatfahrer schlossen sich damals zu kleinen Gruppen zusammen und unterstützten
sich auf den Races und Rallys (ein Begriff den wir heute noch für unsere
Treffen benutzen). So gründeten sich 1937 zum Beispiel der "13 Rebels
MC" der heute noch aktiv ist. Die Hauptinteressen in den Clubs waren
relativ einfach. Spaß haben, Bier trinken und Motorradrennen fahren. Jedes
Rennteam hatte damals seine eigenen Racing-Colors (Rennanzüge) und genau daher
kommt der Begriff "Colors", der heute noch bei uns als Bezeichnung
für die MC-Rückenpatches
verwendet wird, die Farben eines Clubs also.
Wieviele MCs sich vor dem
2. Weltkrieg bildeten ist mir leider auch nicht bekannt und darüber
nachzuforschen erweist sich als sehr zeitaufwendig. Ein Interview mit noch
existierenden Clubs dieser Zeit sowie noch lebenden Gründungsmitgliedern brächte
da mehr Licht in die Sache. Ich werde es unserer Bikers News-Redaktion einmal
vorschlagen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg
bildeten sich wohl die bekanntesten Clubs unserer Biker-Szene. Die meisten der Männer
dieser Clubs waren gerade aus dem Krieg zurück gekommen und wollten die so
lange vermisste Freiheit, die es beim Militär ja nicht gab, genießen und
ausleben. Es wurde gerne schnell Motorrad gefahren und natürlich auch gerne
gefeiert und getrunken. Spaß haben, gute Partys feiern, das waren die Ziele
damals. Natürlich ging man auch keiner Auseinandersetzung aus dem Wege. Zwei
MCs die sich damals hervortaten und auch Geschichte geschrieben haben ist zum
einen der 1946 gegründete "Boozefighters MC" (Kampftrinker) und der
"Hells Angels MC" (Höllen Engel), der von kalifornischen
Nachkriegs-Jungs Anfang 1948 gegründet wurde und international bekannt ist.
Diese Art zu leben bzw.
sich auszuleben waren Dinge, die der AMA überhaupt nicht gefielen. Diese
weigerte sich auch, solche Clubs unter ihren Namen zu registrieren und so ließ
man es und begann, freie Rennen zu organisieren. So kam es, dass die
Clubs ihre eigenen Races veranstalteten. Hier stand der Spaß an erster Stelle
und nicht der Profit wie bei den von der AMA sanktionierten Rennen. Es waren
"Funraces" und bald wurden sie "Outlaw Races" genannt.
Dieser Begriff wurde von der AMA für diese Veranstaltungen benutzt und so wurde
auch der Begriff "Outlaw Biker" geprägt. Jeder, der an diesen Rennen
teilnahm war somit dann ein "Outlaw". Dieser Begriff hat also zunächst
nichts mit Gesetzlosen oder Kriminellen zu tun, sondern es war die Bezeichnung für
unorganisierte Racer. Der Begriff "Outlaw" hat aber auch nichts mit
jener immer wieder zitierten AMA-Geschichte zu tun, die sich am 4. Juli 1947 in
Hollister ereignete, dem sogenannten "Hollister Bash". Daran beteiligt
war damals der "Boozefighters MC" der in der Stadt Hollister/Kalifornien
zur Gala Motorcycle Gypsy Tour fuhr, einem Drei-Tage-Ereignis, das Tausende von
Bikern in diese Stadt zog. Durchgeführt wurde dieses von der AMA.
Die Bars in der Stadt waren
damals natürlich die Anziehungspunkte für die meisten Biker und der
Boozefighters MC lebte seinen Namen in diesen Tagen auch aus und so kam es dann
zu Unruhen, die aber von der Presse sowie vielen be- oder unbeteiligten Bürgern
der Stadt aufgebauscht wurden. Was damals alles im Einzelnen passierte ist wohl
nicht mehr 100%ig nachzuvollziehen. Aber nach Aussage eines AMA-Sprechers waren
an diesem Ereignis nur 1% der Besucher beteiligt gewesen. Das Resultat war die
Geburt des "1%-Patches", das heute wie damals vielen Brothers und MCs
ein weltweites Siegel aufdrückte. Jedoch wissen heute die meisten gar nichts über
die Bedeutung dieses Zeichens und so wird es auch vielerorts als Ausdruck für
Außenseiter angesehen. In den USA wird das 1%-Zeichen als Statussymbol
verwendet und man spricht dort von "Outlaw-MCs" da nur wenige US-MCs
dieses auf ihren Kutten tragen dürfen. So kommt es auch immer wieder vor, dass
europäischen Bikern, sofern sie nicht einem US-1%er Club angehören, das
1%-Abzeichen aus
ihren Kutten geschnitten wird.
nach oben
Wer mehr über den "Hollister
Bash" und das 1%-Patch erfahren möchte, sollte sich die Bikers News ab 8/´97
besorgen, in der eine vierteilige Serie beginnt zu diesen Themen.
Wie Ihr seht bzw. liest,
entstanden viele Ausdrücke, Kennzeichnungen und Lebensarten unserer Szene in
dieser Zeit. Der Ursprung der MCs und unserer Szene liegt also im Motorradsport.
Ich hoffe mit diesem Ausflug in
die Vergangenheit habe ich euch die Entstehung der Szene ein wenig näher gebracht.
So Brothers and Sisters, nun möchte
ich euch nach unserem Ausflug in die Vergangenheit und zum Ursprung der Biker-Szene
ein wenig über unsere "Deutsche Biker-Szene" und ihre Entstehung erzählen.
Die Entwicklungsgeschichte
der Deutschen Rocker-, und Biker-Szene
Rocker und Biker gibt es bei uns
hier in Germany seit den frühen 60er Jahren, zuvor waren Sie eine rein
amerikanische Erscheinung.
Bevor ich beginne, möchte ich
euch jedoch erklären, warum für mich Rocker und Biker zwei verschiedene Dinge
sind. Biker ist
ein Ausdruck, der wie unsere ganze Bewegung aus dem Amerikanischen stammt. Ich
werde mich jedoch hüten, einen Keil zwischen alle Motorradbegeisterten zu
treiben, denn das Gegenteil sollte unser gemeinsames Ziel sein.
"Rocker" sind Freunde (Brothers), die in einer Gemeinschaft fahren und
ihre Freiheit leben, sich jedoch ihrem Club unterordnen. Wobei ich aber der
Meinung bin, dass nur wenige Clubs in Deutschland sich als Rocker-Club
bezeichnen können. Biker hingegen sind Individualisten, die nicht unbedingt ein
Colour brauchen, sondern meist auch alleine ihren Weg gehen. Viele Brothers and
Sisters, Einzelgänger oder Gruppen (MCs) in Deutschland sehen sich eher als
Biker, die Ihre Philosophie suchen und leben. Die Werteinschätzung für Colours
und Zeichen verschieben sich zwischen Rockern und Bikern doch erheblich, wobei
aber die gemeinsame Idee Freiheit auf 2 Rädern zu erleben, uns zusammenwachsen lässt.
Und wie schon zu vor gesagt, hat sich bei uns der Begriff "Biker" seit
den 90er Jahren mehr etabliert, da auch am Begriff "Rocker" viele
negative Vorurteile hängen.
So nun aber zurück zum Thema,
In den 60er Jahren gab es neben
unserer Szene viele andere Jugendbewegungen wie die Teds, Mods, Hippies und später
die Punker. Alle Modeerscheinungen, so nenne ich diese mal, haben wir überlebt
und die Jungs dieser Tage gingen nicht gerade zimperlich mit ihrer Umwelt um. So
mancher Club knockte Leute von der Parkbank und machte Kneipen und Discotheken
unsicher, in denen sich die anderen Bewegungen aufhielten. Viele MCs nannten
sich nach Ereignissen und Stars aus dieser Zeit, doch nach und nach wurden die
Zeiten ruhiger. Die Modeerscheinungen verschwanden genauso
schnell wie sie erschienen waren, aber unsere Bewegung blieb.
Die Jungs von damals wollten
Freiheit und Kameradschaft finden und erfahren. Der Club wurde zur Familie, da
in unserer Spießergesellschaft kein Verständnis vorhanden war für das
Verlangen nach mehr Freiheit, man lebe schließlich um zu arbeiten etc., so die Sprüche
unserer Väter und Mütter. Doch wir haben uns ein Stück Freiheit geschaffen
und sind stolz darauf.
Aber wieder zurück zur Szene, viele MCs wurden in den späten 60ern bis Mitte
der 70er Jahren gegründet. Viele davon waren jedoch nicht nur rein deutsche MCs,
sondern wurden von US-GI´s gegründet, die in Deutschland ihren Dienst versahen
und hier stationiert waren. Aber auch
bei den US-Clubs wurden im Laufe der Zeit Deutsche als Mitglieder zugelassen und
viele ehemalige von GIs gegründete Clubs, bestehen heute nur noch aus deutschen
Membern (Mitgliedern). Jedoch entstanden so recht renommierte Clubs, die heute
noch zum Teil existieren und unsere Szene beleben wie zum Beispiel der "Bones
MC", der 1968 in Frankfurt/Main gegründet wurde und am 14.11.1999 zum
"Hells Angels MC Germany" übergetreten ist oder aber auch der noch
existierende "Cave Men MC" aus Ramstein usw. um nur einige zu nennen.
Es gab aber auch MCs die sehr lange keine deutschen Mitglieder aufnahmen, wie
zum Beispiel der "Falcons MC Lahr", das aus in dieser Gegend
stationierten kanadischen Zeitsoldaten bestand. Andere Deutsche MCs legten sich
im Laufe der Zeit US-MC Namen zu, wie die Hamburger "Bloody Devils",
die sich 1973 in den USA die Genehmigung einholten ein deutsches Chapter des
"Hells Angels MCs" zu gründen. Dieses Chapter sorgte, wie vielen
vielleicht bekannt, in den Jahren 1983/84 für große Schlagzeilen in allen
Zeitungen und Zeitschriften, wobei die damaligen Anschuldigungen nicht haltbar
waren vor Gericht.
Es
gab und gibt immer wieder Ereignisse in unserer Szene, die diese positiv oder
auch negativ beeinflussen oder beeinflusst haben. Auf den nachfolgenden Seiten
werde ich euch diese Ereignisse kurz und mit einigen Erklärungen vorstellen.
nach
oben
German-Biker-Stuff
German - History
Bevor ich nun anfange euch
die Ereignisse zu beschreiben, möchte ich erklären warum ich mit dem Jahr 1981
beginne und nicht mit einem früheren Jahr.
Bis zum Jahre 1981 sind leider
keine schriftlichen Aufzeichnungen von Ereignissen vorhanden und Geschichten nur
vom "Hörensagen" zu schreiben liegt mir als Journalist nicht. Deshalb
verzichte ich darauf Ereignisse vor 1981 wiederzugeben. Ich hoffe ihr habt Verständnis
dafür.
Fangen wir also mit dem Jahr 1981
an.
Schon im Jahre 1980 war es bei
vielen Rallys so heiß hergegangen, dass renommierte Clubs, die schon seit
vielen Jahren solche Partys organisierten, sich überlegten, von solchen Großveranstaltungen
die Finger zu lassen. Massenschlägereien, Schießereien und Messerstechereien
mit Toten und Schwerverletzten ließen auch die sonst so hartgesottenen Biker
aufhorchen, denn man konnte ja schließlich selbst der Nächste sein und rein
zufällig in eine verirrte Kugel laufen oder in ein Messer fallen.
Da man sich aber im Herbst 1980 auf der Präsidentenrally in den
Rallykalender eingetragen hatte, musste man aber wohl oder übel zu seinem Wort
stehen.
Der wohl traurigste Höhepunkt des Jahres 1981 war am 17.04 bei den
Motor-Tramps Zweibrücken, die an diesem Wochenende eigentlich eine gute und
friedliche Rally austragen wollten. Wegen Gerüchten und banalen Umständen kam
es dort zu einer tödlichen Auseinandersetzung, die die deutsche Rocker- und
Bikerszene auf das Empfindlichste traf.
Wegen Gerüchten brach der Motor-Tramps MC die Rally ab und ließ ca. 300
unentwegte Biker auf dem Platz zurück, da Sie befürchteten durch eine Gruppe
von 200 Bikern aus dem Raume Mannheim/Karlsruhe aufgemischt zu werden. Zuvor
hatte man jedoch mit dem Devil´s Advocates MC Kaiserslautern einen
"Beistandspakt" für den Falle von Unruhen geschlossen. Diese hatten
sich zuvor wegen Ausschreitungen auf Ihrer Party Waffen (Gewehre) besorgt und führten
diese auch auf der Motor-Tramps Rally mit. Ferner vereinbarten die Devil´s mit
den Motor-Tramps, die Cave Men und ihren befreundeten Club Free Spirits nicht
auf die Osterrally einzuladen und bei Erscheinen als ungebetene Gäste zu
behandeln. Da aber die Cave Men an diesem Wochenende in England waren fuhren die
Free Spirits nur mit zwei Mitgliedern der Cave Men´s nach Zweibrücken. Die
zwei Cave Men-Mitglieder waren das Ehepaar Ilona und Thomas Zimmermann, die
nicht mit dem Club gefahren waren. Man wollte eigentlich nur in Erfahrung
bringen, warum man ungebetener Gast sei. Am Rallyplatz angekommen fanden diese
jedoch keine Members der Motor-Tramps sondern nur noch vier Mann der Devil´s an
die sich die Spirits hielten.
Es kam zu Handgemengen bei denen die vier Mann der Devil´s nur noch ihr Heil
darin sahen zu flüchten. Zwei rannten in den Wald, die anderen zu ihrem Wagen.
Die Meute folgte den zwei Jungs zum Auto als plötzlich jemand schrie sie hätten
Gewehre. Der Wagen wurde attackiert als plötzlich ein Schuss fiel.
Zwei weitere Schüsse folgten. Der erste traf das Cave-Men-Mädchen Ilona,
der zweite ein Mitglied der Head Hunter´s der gar nichts mit der
Auseinandersetzung zu tun hatte und der dritte traf einen Free Spirit am Kopf.
Ilona Zimmermann starb auf dem Weg ins Krankenhaus, Sie war erst 19 Jahre alt.
........
Dieses Ereignis, erschütterte
die Szene aufs tiefste.
Ein weiterer tödlicher
Zwischenfall ereignete sich am 7.Juni auf der Rally der Spiders Hameln .Dort kam
es zu einer Schlägerei zwischen den Steamers aus Hamburg/Hannover und den
Libertys aus Hannover.
Im Verlauf dieser Massenschlägerei zog ein Steamer eine Pistole und schoss
zu erst in den Boden, worauf sich alle auf ihn stürzten um ihm diese abzuholen.
Dabei lösten sich weitere Schüsse und der Steamer sank, tödlich getroffen,
zusammen. Das Treffen war gelaufen. Die Schuldfrage konnte man bei den
Steamers suchen, die eine Party durch ihre Handlungen zerstörten.
Die Behörden waren natürlich
durch solche Ereignisse wachgerüttelt worden und hatten nun ein Auge auf alle
Motorradclubs gelegt. Im Verlaufe des Jahres hatten aber auch viele Clubs
Probleme überhaupt eine Rally genehmigt zu bekommen.
Mitte Juni 1981 veröffentlichte
der Hells Angels MC einen Brief in der Bikers News, in dem der Club bekannt gab,
dass sie es nicht weiter dulden werden ,dass vermehrt Clubs beobachtet werden,
die teilweise ihren Clubnamen, ihr Clubembleme und ihre Clubfarben für eigenes
Clubabzeichen missbrauchen.
Nicht nur aus Gewohnheitsrecht, sondern auch aus Urheberrecht, beanspruchen
sie ihren Namen, Embleme und Farben für sich alleine. Dies betrifft die Worte
"Hells" und "Angels" im Namen, die Farben Rot auf Weiß in
der Schrift und den geflügelten Totenkopf als Emblem.
Außerdem weisen sie darauf hin, dass ihre Clubabzeichen patentrechtlich
geschützt sind.
Ich persönlich denke man
sollte sich an solche Forderungen halten und sich gut überlegen, was man als
Clubabzeichen etc. verwenden möchte. Nachmachen erscheint mir eher als
Phantasiemangel der betreffenden Personen.
Ein weiteres Großereignis im
Jahre ´81 war der Protest gegen das am 1.8.1980 eingeführte Helmgesetz, das ab
da bußgeldpflichtig wurde. Viele Biker sahen und sehen sich heute noch dadurch
in ihrem Grundrecht eingeschränkt sich frei Entfalten zu können. Das für und
wieder gegen das Tragen von Helmen ist bis heute noch umstritten, gerade in den
USA währt man sich permanent dagegen. Bei uns in Deutschland hat man sich wohl
eher im Verlauf der Jahre damit abgefunden.
nach oben
Das Jahr 1982.
Am 12.01.1982 wurde in
den Tagesthemen der ARD ein Bericht ausgestrahlt, in dem erwähnt wurde, dass
das Landeskriminalamt von Baden-Württemberg den Plan hätte, alle Rocker im
Computer zu erfassen.
Eine weitere Provokation gegen Motorradfahrer war im Gange aber man wehrte
sich.
Genauso ging der Kampf gegen das Helmgesetz weiter. In einem Leserbrief
der Hells Angels Stuttgart wies Lutz, der Schreiber des Briefes darauf hin, dass
am 26.1.1982 die Verfassungsklage vom Bundesverfassungsgericht abgelehnt wurde.
Ferner zeigte er auf, dass 90% aller Motorradfahrer nicht begriffen hätten, um
was es da überhaupt ginge. Er forderte nochmals zur Unterstützung im Kampf
gegen das Helmgesetz auf.
Auf der Bats-Rally in
Bamberg kam es zu Auseinandersetzungen zwischen dem Bones MC und den Bats, sowie
anderen Partybesuchern. Das Ganze spitzte sich gegen Abend zu und so wurde durch
den Bats-Präsidenten die Polizei verständigt. Bei der Vorhut der Polizei kam
es dann zu einem Zwischenfall, bei dem sich ein Bones-Mitglied im Krankenhaus
wiederfand. Später wurde der Rallyplatz von ca. 50 Polizisten geräumt, dabei
kam es zu doch recht ungerechtfertigten Einsatzmethoden der Polizei. Die Biker
wurden geschlagen, getreten und durch Polizeihunde verletzt. Die Bats indessen führten
ihre Pokalverleihung in einer Gaststätte in Hallstadt durch, aber auch da rückte
die Polizei an und es wurde mit nicht gerechtfertigter Härte vorgegangen.
Kurzum, es wurden unschuldige Biker durch den massiven Polizeieinsatz verletzt
und das nur wegen ein paar Auseinandersetzungen bei denen es noch nicht einmal zu ernstlichen Verletzungen kam. Der Einsatz
der Polizei war als völlig überzogen anzusehen. Der Bones MC veröffentlichte
danach in der Bikers News einen Brief, mit einer Stellungsnahme zu dem Vorfall
in Bamberg.
Auf der Präsidenten-Rally ´82
wurde deutlich, dass es ein Gefälle gibt, zwischen den Norddeutschen, Süddeutschen
und Mitteldeutschen MCs. Man konnte sich nur schwer über Rallytermine einigen
und vielfach wurden in einigen Regionen eine eigene Mini-Präsidentenrally
durchgeführt mit Clubs aus dessen Raum. Es war und ist eine eher schädliche
Entwicklung für die Biker-Szene, weil sich durch diese Art die Clubs
untereinander immer mehr trennen aber auch weil dadurch nicht gemeinsam über
Probleme geredet werden kann. Wobei ich persönlich sagen muss, das auf den Präsidentenrallys
jedoch oft nicht über die wahren Probleme der Szene geredet wird. Schade.
Das
Jahr 1983.
Wie im Jahr zuvor kam es
auch 1983 leider wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Clubs.
Und wie auch in den Jahren zuvor kamen mal wieder Waffen zum Einsatz und das
auf der Ersten Rally des Jahres ´83 bei den Free Riders Bad Kreuznach. Zwei
Biker gerieten miteinander in Streit und die Free Riders setzten die beiden an
die Luft, damit sich sonst keiner einmischen konnte. Als man nach einiger Zeit
nachschaute, was die beiden Kampfhähne machten wurde der eine Biker mit
mehreren Messerstichen an Bein und Hüfte aufgefunden. Der Gegner stand mit
einem blutverschmierten Messer in der Hand vor der Halle und wurde, obwohl ihm
weitere Mitglieder seines Clubs zur Hilfe kamen, vom Rallyplatz vertrieben.
Dies war kein guter Rallyeinstand für das Jahr 1983,zumal gerade in Bad
Kreuznach die Polizei ein Auge auf die Clubs warf und auch eine Razzia bei einem
Club, dem Hangmen MC durchgeführt hatte.
Bei dem besagten MC wurde ein erstaunliches Waffenarsenal zu Tage befördert
und eine umfassende Anklageerhebung folgte. Die Reaktionen in unserer Bikerszene
auf diese Meldung reichte von Erschrecken und Unverständnis bis zur Wut.
Ein Thema, das Anfang
des Jahres 1983 besonders heftig in den Clubs diskutiert wurde, war das Problem
der MC-Neugründungen. Alle bewegte die Frage: haben Clubs, die in einer Stadt
oder Region bereits existieren, ein Mitspracherecht bei der Gründung eines
neuen Clubs? Können sie so etwas sogar verhindern? Was spricht dafür, was
dagegen?
Es sind Fragen, die bis heute verschiedene Meinungen zutage bringen aber gelöst
ist das Problem bis heute immer noch nicht. Und auch heute noch kommt es deshalb
zu Auseinandersetzungen zwischen bereits existierenden MCs und Neugründungen.
Ich möchte aber nicht weiter auf dieses Problem eingehen, da es den Rahmen
sprengen würde.
Biker without weapons,
das war ein Leserbrief vom CLUB 20 aus Bielefeld in der Bikers News 2/83,der zu
einer gemeinsamen Aktion aller Clubs aufforderte, nur noch ohne Waffen zu
Treffen zu kommen.
Zuerst dachte man, es sei eine schöne Idee, die aber wie so manche Idee
folgenlos bleiben wird, aber man hatte sich geirrt. Diese Idee blieb keineswegs
folgenlos, sondern es wurde daraus eine recht beachtliche Bewegung und noch
nicht ein Jahr später brauchte die Bikers News eine ganze engbeschriebene
Seite, um die ganzen Clubs unterzukriegen, die sich hatten eintragen lassen. Und
von Ausgabe zu Ausgabe wurden es mehr. Aber sich eintragen lassen ist eine Sache
- und sich daran halten eine andere.
Es war auf jeden Fall eine Aktion, die unsere Bikerszene wachrüttelte.
Ende April, Anfang Mai folgte
dann wieder eine Negative Schlagzeile in der Presse für Aufsehen.
-Rockerterror- mitten in Deutschland?
Ein Toter bei den Kettenhunden in Neckartailfingen. Was war passiert?
Es war in der Nacht zum 1. Mai. Dieses weitere traurige Datum in unserer Chronik
der Rocker- und Bikerszene ist nicht nur wegen der Ereignisse selbst so wichtig,
es ist vor allem ein lehrreiches Kapitel über den Umgang der Presse mit
Rockern. Und es zeigte überdeutlich, zu welcher Eskalation der Gewalt es führen
muss, wenn die Presse Hand in Hand mit gewissen Politikern Rocker als Totschläger
darstellt, gegen die man angeblich nur eine Chance hat, wenn man als erster
schießt.
Ich werde hier nur kurz die Ereignisse aufführen, da der Umfang dieses doch
ziemlich groß ist.
Am Samstagabend machten sich fünf Mitglieder der Kettenhunde mit fünf oder
sechs Mädchen und weiteren zehn Leuten auf den Weg nach Neckartailfingen, um
nachzusehen, ob irgendwo was abging. Zuerst landete man bei einem Sängerbund,
bei dem es aber bald langweilig wurde. Dort hörten die Biker von einheimischen,
dass in dem Dorf auch eine Diskothek sei und so machten sie sich auf den Weg
dorthin.
Kurz vor der Disco kamen ihnen ca. fünf junge Leute entgegen, denen man wohl
vorher den Einlass in die Diskothek verwehrte. Diese schlossen sich den Bikern
an. Man klopfte an der verschlossenen Eingangstür an und es öffnete sich kurz
darauf die Tür. Zwei Männer standen dahinter und sagten: "So dreckige
Hunde wie ihr kommen hier nicht rein!"
Dann knallte man ihnen die Tür vor der Nase zu. Die Biker entdeckten eine
Klingel und nutzten diese, aber diesmal standen vier Leute in der Tür,
bewaffnet mit Schlagstöcken etc. plus einem angriffslustigen Schäferhund. Die
Biker wichen im ersten Moment zurück und die Tür knallte abermals zu. Von der
Anwesenheit der Biker gestärkt gingen die fünf jungen Leute auf die Tür zu
und traten gegen diese, die Biker jedoch hatten sich inzwischen entschlossen,
wieder zum Zeltplatz zurückzugehen, als plötzlich die Tür aufsprang und ein
Mann mit einem Messer wild um sich stechend die Biker angriff. Ein Biker wurde
dabei mit zwei Stichen an der Hand verletzt. Zwei Mitglieder der Kettenhunde
rannten angesichts der Gefahr ebenfalls mit gezogenem Buck Knife dem Angreifer
entgegen, worauf dieser zurück in die Disco flüchtete.
Die Biker dachten damit sei die Sache erledigt und gingen zum Camp zurück. Dort
wurden sie aber schon von der Polizei in Empfang genommen und von diesen
gewarnt, dass es möglich sein könnte, dass die Disco-Stammgäste usw. sich mit
Sicherheit nochmals blicken lassen würden und man solle sich ruhig verhalten,
damit diese das Camp nicht entdecken könnten.
Was dann passierte kürze ich chronologisch ab.
- Um ca. 1.45 Uhr fielen plötzlich etwa zwanzig Schüsse.
- Ein Biker bricht zusammen durch einen Treffer.
- Fünf bis zehn Sekunden dauerte der Feuerüberfall auf die Biker.
- Nach kurzer Zeit kümmerten sich Anwesende Biker um die Verletzten.
- Turbo von den Kettenhunden wurde schwer Verletzt und starb ca. 15-20 Minuten
später vor Ort.
- Roswitha wurde von Vier Schüssen getroffen und schwer verletzt.
- Ihren Freund Uwe erwischte ein Steckschuss am Hals.
- Ein weiterer Biker wurde von zwei Schüssen am Arsch und Oberarm getroffen.
- Karl von dem BIKERSAU MC war am Becken getroffen worden.
- Zwanzig Minuten nach den Schüssen taucht ein Streifenwagen auf, der über
Funk den Rettungswagen und Verstärkung rief.
- Zwei Biker aus Ottenau, die bei den Vorfällen vor der Disco dabei gewesen
waren, wurden von der Polizei aufgefordert, mit in die Disco zu fahren, um
eventuell die Streitgegner von vorhin zu identifizieren.
- Fünf Personen werden in der Diskothek verhaftet, die Tatwaffen werden in
einem Auto der Täter gefunden und sichergestellt.
Am Montag, dem 2.Mai war die Presse voll mit Berichten über den Vorfall.
Darunter auch Beispiele dafür, dass Zeitungsleute ein Gewaltverbrechen, bei dem
Rocker im Spiel sind, nur unter einem Blickwinkel sehen können; dass es aber
auch andersherum wie erwartet sein könnte, das kommt ihnen scheinbar nicht in
den Sinn.
Und so konnte man Überschriften lesen wie: "20jähriger von bewaffneten
Rockern getötet"
"Rocker-Terror Mitten in Deutschland, ein Dorf sieht rot" usw.
Aber wie schamlos die Presseleute sein können, dass zeigte Willy Schneider
"Sensations-Hascher" der Neuen Revue, der bei seiner skrupellosen
Arbeit selbst vor der Beerdigung Turbos nicht zurück schreckte und Fotos
machte. Er und seines gleichen zeigten uns, was Sie über Rocker oder Biker
dachten.
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Die nächste Riesenschlagzeile
lieferte die Bild-Zeitung am 12.08.1983; "St. Pauli, Riesen-Razzia, Polizei
zerschlägt Hells Angels". Es war die Verhaftung der Hamburger Hells Angels.
Dieser Großangelegte Polizeieinsatz war lange vorbereitet worden, außer
dreizehn Vereinsmitgliedern wurden auch andere Personen festgenommen - insgesamt
gab es 28 Haftbefehle und diese wurden nicht nur bei uns in Deutschland
vollstreckt. Wichtig an diesen Vorgängen war die Begründung, es ginge weniger
um einzelne Straftaten, die den Angels zur Last gelegt wurden, als vielmehr um
deren angebliche organisierte Abwicklung und Vorbereitung, eben um die Bildung
einer kriminellen Vereinigung nach § 129.Aber nicht nur dies waren die Gründe,
die zu diesem Einsatz führten, sondern die Liste der Vorwürfe beinhaltete noch
Dinge wie räuberische Erpressung, Nötigung, Körperverletzung, Menschenhandel,
Prostitution usw. .
Es galt also nun abzuwarten, was die Polizei an Beweisen vorlegen würde und es
würde richtungsweisend sein für unsere ganze Szene in Deutschland.
Zu dieser Zeit jedoch war die Szene zweigeteilt in ihrer Meinung zu den
Geschehnissen die sich da abspielten. Am 21.10.83 wurde durch den Innenminister
Zimmermann das Vereinsverbot der Hells Angels ausgesprochen, das sich auf den §
3 des Vereinsgesetzes stützt. Der Straftatbestand "Kriminelle
Vereinigung" nach § 129 des StGB dagegen ist ein Anklagepunkt des
Hamburger Gerichts, das noch geurteilt werden muss. Aber beides hat formal
nichts miteinander zu tun. Aber wie gesagt nur formal.
Auf der Presi-Sitzung 1983,gab es
auch einmal etwas erfreuliches über bzw. für die Szene bei uns.
Doc Baumann machte damals dort den Vorschlag für einen Bundesverband der
deutschen Biker und Rocker mit dem Logo "Gemeinsam sind wir stärker".
Zuvor waren Doc's Gedanken hierzu in der Bikers News 10/83 zu lesen gewesen. Es
war der erste Schritt in Richtung zum Dachverband für uns. Es ging darum, dass
Doc die Clubs aufforderte sich nicht gegenseitig zu bekämpfen, sondern sich dem
Kampf gegen Behördenwillkür etc. zu stellen. Unserer Regierung zu zeigen, dass
wir keine Menschen zweiter Klasse sind sondern Staatsbürger mit rechten und
Pflichten wie jeder andere auch.
Es waren Gedanken, die das Jahr 1983 positiv beendeten.
So liebe Leser,
Wie Ihr lesen konntet, haben sehr viele negative Ereignisse unsere Szene in
diesen Jahren geprägt, trotzdem gibt es uns noch und wir haben aus diesen
Ereignissen gelernt und haben uns weiter entwickelt in unserer Denkweise.
Für Ausführlichere Informationen gibt es bei der Bikers News die Fünf Bücher
"Rocker in Deutschland"
in denen aber nicht nur negative Ereignisse enthalten sind, sondern auch viele
schöne Tage unserer Szene.
Natürlich stehe ich für Fragen auch gerne Rede und Antwort, einfach mailen.
Das Jahr 1984.
Das Jahr ´84 begann mit etwas
freundlicheren Ereignissen als das Jahr zuvor. Richtungsweisend für unsere
Szene war die 1. Custom-Show im Kohlenpott, die aus privater Hand finanziert
wurde. Und so machte nur das Wetter im Februar den Veranstaltern, dem MC
Choppers Lüdenscheid und der Firma Randzio, einen Strich durch die Rechnung.
Trotzdem war es eine interessante Mischung an Choppern, die den Besuchern
geboten wurden.
Auf dem Weg zum Dachverband
gingen die Gedanken und Anregungen hierzu auch 1984 weiter und man diskutierte
und kommentierte dies bereits eifrig. Es schien als sollte dies nicht nur ein
Gedanke bleiben, aber der Weg war noch lange, bis aus dem Gedanken, die Biker
Union wurde. Und auf der Presi-Sitzung 1984 wurde es noch einmal deutlich, dass
ein solcher Dachverband notwendig wurde.
Auch ´84 beherrschte der Prozess
gegen die Hells Angels unsere Szene und es wurde deutlich, dass hier mit Mitteln
gearbeitet worden war, die nicht nach unserem Rechtsempfinden waren. Und man
merkte, dass sich vor allem Hamburger Politiker und Dienstherren an diesem
Prozess einen Orden verdienen wollten. Die Mitglieder indessen waren schon 15
Monate in andauernder Untersuchungshaft und wurden wie Terroristen bewacht und
vorgeführt vor Gericht. Man wartete gespannt der Dinge, die da noch aufkommen
sollten.
Ansonsten war das Jahr ´84 doch
recht positiv und friedlich abgelaufen, man merkte, dass andere Dinge die Szene
beschäftigten und vor allem schien man zu merken, das es nur gemeinsam geht und
nicht gegeneinander.
Das Jahr 1985.
Das Jahr ´85 begann einmal
wieder mit gemischten Gefühlen in der Szene. Etliche MCs und Biker bekamen
einmal wieder die Staatsmacht zu spüren und in einigen Städten wurde sogar
Wahlkampf auf kosten der Biker gemacht.
Doch nun wieder zu einigen Ereignissen, die sich in diesem Jahr abspielten.
Am 17.4. wurden in Frankfurt die
Mitglieder eines dort ortsansässigen MCs verhaftet. Dem MC wurden auch
Verbindungen zum Hells Angels MC zur Last gelegt. Die Frankfurter Polizei war
nach den Hamburger Verhaftungen auf den MC aufmerksam geworden und hatte
Hinweise aus dem Frankfurter Milieu erhalten. Die Ermittlungen liefen seit einem
Jahr. Die Verhaftungsgründe waren fast die Gleichen wie in Hamburg und auch in
Frankfurt wollte die Staatsanwaltschaft auf die Bildung einer kriminellen
Vereinigung hinaus.
Der nächste Schock passierte auf
der Rally der Lonely Rider/Atlantis Brotherhood am 13.7. Ohne ein Verschulden
der Veranstalter blieb dieses Treffen in trauriger Erinnerung zurück.
Ein Mord auf einer Rally, was war passiert! Am Samstagabend
kam die damals sechzehnjährige Realschülerin Alexandra Weisenseel mit ihrem
Freund von Unfinden zur Rally, dies war nach Augenzeugenbericht so um 20 Uhr.
Gegen 22.30 Uhr wurde Alexandra dann zum letzten mal lebend auf dem Rallyplatz
gesehen. Zwei Stunden später fand ein Biker ihre teilweise entkleidete Leiche
im Wasser der Saale liegend, etwa 300 Meter vom Platz entfernt. Alexandra
war tot. Trotz des Anscheins eines Sexualverbrechens wurde später
festgestellt, dass diese nicht vergewaltigt worden war. Vermutlich wurde sie auf
einer in der Nähe gelegenen Wiese umgebracht und dann in den Fluss geworfen.
Ihr Hals wies starke Würgemale auf. Auch hier war natürlich einmal wieder die
Sensationspresse mit vom Spiel, doch diesmal war die Szene gewarnt und so gab es
keine Bilder usw. ohne Anwalt. Wenig später wurde Alexandras Freund Hennes in
U-Haft genommen mit dem Verdacht, dass er der Mörder sei. Seine Freunde
versuchten später durch einen Aufruf in der Bikers News Entlastungszeugen für
ihn zu finden.
Ein weiteres zwar nicht so
tragisches Ereignis war die Bombholders-Rally im August. Dort wurde eine Rally
durch Gerüchte über Zusammenstöße auf dieser, sowie eines Platzverweises
eines anderen Clubs und durch eine etwas zu sehr betrunkenes Mädchen fast
gesprengt. Feelings, die man eigentlich nicht mehr sehen wollte. Trotzdem zogen
die Bombholders eine gute Party durch, auch wenn Aggressionen mancher Clubs
untereinander die Rally fast versaut hätten.
Zwei Jahre war es nun her, im
August ´85, dass die Polizei das dortige Chapter der Hells Angels verhaftete.
Die Beweislage sei hieb- und stichfest, die monatelangen Ermittlungen hätten
wahre Berge von Belastungsmaterial ergeben, so hieß es damals. Weil aber in dem
Prozess, der seit dem 7. November 1984 lief, nichts Großartiges herauskam, war
damals sogar die Hamburger Lokalpresse der Meinung, hier sei wohl mit Kanonen
auf Spatzen geschossen worden.
Der Umfang dieses Prozesses würde alleine schon mehrere Internetseiten füllen.
Deshalb werde ich nur kurz die Ereignisse in diesem Fall darlegen. Aber was mit
einzelnen Verhafteten Angels alles passierte, war und ist gegen mein
Rechtsempfinden.
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Das Jahr 1986.
Ostern ´86 ging als weiteres
Schwarzes Kapitel in unsere Chronik ein. Es war der Überfall auf die
"schwarzen" Ghost Rider, bei dem es einen Toten gab, viele Verletzte
und Sachschäden.
Wie kam es zu dem Überfall? Am Gründonnerstag gingen die "schwarzen"
Ghost Rider mit vier Mann wie sonst auch in ihre
Stammdisco. Einige Zeit später trafen "Gelbe"Ghostrider aus der
Frankenthaler Gegend ein. Man ging sich aus dem weg, war aber guter Dinge,
schließlich hatten sich die Cluboberen der beiden MCs erst vor kurzem
zusammengesetzt, um eventuellen Streitigkeiten von vornherein aus dem Weg zu
gehen. Dies ging auch einige Zeit gut, bis ein Probemitglied der
"Gelben" höchstwahrscheinlich von Vollmitgliedern dazu aufgefordert
wurde, mit einem "Schwarzen" Streit anzufangen.
Dies gelang dem "Gelben" auch und als er dem "Schwarzen" die
Jacke einriss, ging dieser zur Gegenwehr über. Dabei wurde der
"Gelbe" an der Hand verletzt. Zuerst zogen sich die "Gelben"
zurück, kamen aber
wieder und gingen mit Zehn Mann auf den "Schwarzen" los. Die anderen
"Schwarzen" wurden dabei am Eingreifen gehindert. Natürlich dauerte
es nicht lange und der Wirt rief die Polizei, danach entwickelte sich ein
heilloses Durcheinander, bei dem es den "Schwarzen" gelang sich aus
dem Staub zu machen. Der Schwerverletzte wurde ins Krankenhaus gefahren. Das war
die Vorgeschichte des Ereignisses.
Doch es sollte weiter gehen. Am
Karfreitag trafen sich die "Schwarzen" Ghost Rider Frankenthal wie
jeden Freitag in ihrem Wormser Clubhaus und hielten ihren Cola-Rum-Abend ab.
Gegen ca. 22.00 Uhr wurde dann plötzlich die Tür aufgerissen und Schüsse
fielen. Geistesgegenwärtig knipste jemand das Licht aus um dem oder den
Angreifern kein Ziel zu geben. Alles ging in Deckung und nach einiger Zeit war
wieder Ruhe. Man peilte die Lage, konnte aber nur vermuten, dass da wohl
"gelbe" Ghostrider am Werk gewesen waren. Sämtliche Scheiben des
Clubhauses, der Fahrzeuge waren eingeschlagen und die Reifen hatte man auch
zerstochen. Ein Nachbar hatte die Polizei gerufen und als diese kamen sahen sie
sich die Schäden an und man sagte den "schwarzen" sie sollten am nächsten
Tag eine Anzeige wegen Sachbeschädigung erstatten. Dann fuhren sie wieder.
Gegen 24.00 Uhr erfolgte ein erneuter Angriff. Eine Meute offensichtlich
"gelbe" Ghostrider, stürmte von einem Bahndamm in Richtung Clubhaus.
Ein Mitglied der "schwarzen" und seine Frau rannten sofort ins
Clubhaus zurück als sie das sahen um die anderen zu warnen. Hippi ein Mitglied
der "schwarzen" saß mit laufenden Motor und Licht in seinem Auto als
das passierte und versuchte vermutlich auch, das Clubhaus zu erreichen, indem er
zum Eingang fuhr. Er schaffte es jedoch nicht mehr. Man schlug ihn brutal
zusammen und rammte ihm noch ein Messer in den Rücken, während die anderen
Angreifer das Clubhaus stürmten. Dort schlugen diese wild mit Ketten etc. um
sich, aber da es dunkel war wurde zum Glück niemand verletzt. Das dauerte nur
wenige Minuten. Nachdem wieder Ruhe eingekehrt war, fand man Hippi vor seinem
Auto liegend. Als man seine Verletzungen sah brachte man ihn sofort ins
Krankenhaus.
Er starb jedoch wenige Stunden später an seinen Verletzungen.
Haben Biker eine Ehre?
So lautete die Überschrift von Doc in der Bikers News 56/86. Anlass dazu wahr
ein Plakat, auf dem vier junge Männer zu sehen waren, die eindeutig durch ihr
Aussehen, Alter, Kleidung und andere Merkmale der Rocker- und Bikerszene
zuzuordnen waren. Herausgegeben wurde das Plakat von den Innenminister und
-Senatoren des Bundes und der Länder und sollte im 3. Quartal 1986 aufgehängt
werden zumindest in
Süddeutschland. Der Zweck, der mit dem Plakat verfolgt werden sollte war wohl
klar: Der Böse, mit Lederjacke und Kutte bekleidete, Ketten und Baseballschlägern
schwingende Biker wurde hier dem Otto Normalverbraucher als eine Gefahr für
die Öffentlichkeit dargestellt. Es war eine unglaubliche Entgleisung von
Politikern und das in unserem sogenannten Rechtsstaat, wo laut Grundgesetz alle
Menschen gleich sind. Oder gibt es gleichere Menschen in unserem Land?
Dieses Plakat war eine Beleidigung ja sogar eine Volksverhetzung wie man sie
seit dem Dritten Reich nicht
mehr erlebt hatte. Damals im Dritten Reich wurden Plakate bei Jüdischen
Mitmenschen aufgehängt mit dem Wortlaut "Deutsche kauft nicht bei Juden
und die Juden sind unsere Feinde der Deutschen Nation" mit dem Davidsstern
untermalt.
Sind wir Menschen zweiter Kategorie nur weil wir anders Leben und aussehen?
Zumal wir eine Gruppe von Menschen sind, die nur zu 1 Promille an Straftaten
beteiligt sind war dieses Plakat ein Sinnbild uns als den Sündenbock in der Öffentlichkeit
darzustellen. Unsere Szene schäumte vor Wut als sie davon erfuhr und man wehrte
sich gemeinsam gegen ein solche Volksverhetzung.
Am 14.9.1986 wurde eine
Protestfahrt gegen das Innenminister-Plakat durchgeführt. Die Demonstration
fand in Bonn statt, da ja dort unsere Herren Politiker sitzen. Etwa 1000 Leute
folgten dem Aufruf und über 800 Bikes standen auf dem Parkplatz, viele mit,
aber auch viele ohne Kutte. Ja sogar Tourenfahrer und Heizer waren dabei und
zeigten ihre Ablehnung des Plakates. Dies war auch einem Aufruf zu verdanken,
der nicht nur in der Bikers News erfolgte, sondern auch in der
"Motorrad" und der "Motorrad, Reisen und Sport". Die Demo
lief ohne Zwischenfälle ab und selbst die anwesenden Polizisten wahren von
diesem Plakat nicht erbaut und ein Kripobeamter kam ans Mikrofon und sagte, dass
ihn die Argumente gegen das Plakat überzeugt hätten und er dafür sorgen würde,
das in seinem Bereich dieses verschwindet. Es folgte noch ein Aufruf sich in
eine Unterschriftenliste einzutragen. Es war das erste mal, dass sich unsere
Szene massiv gegen eine vom Staat durchgeführte Maßnahme wehrte (Ohne Gewalt)
Die Biker Union, Dachverband
der Motorrad-Rocker und Biker Deutschlands
Im zweiten Teil der 1986er
Presi-Sitzung hatten sich die Vertreter all jener Clubs im Sitzungszelt
zusammengefunden, die im Prinzip an einer Mitarbeit in einem Dachverband der
deutschen Rocker und Biker interessiert waren. Einen Monat später, Mitte
November, waren ungefähr 140 Vertreter zahlreicher MCs nach Mannheim gereist,
um nun endlich Nägel mit Köpfen zu machen. 140 Leute, die zum Teil weite
Anreisen auf sich genommen hatten - nicht um eine Party auszutragen, sondern um
der gemeinsamen Sache auf die Sprünge zu helfen. Es wurde die Satzung
diskutiert und ein sechzehnköpfiger Vorstand gewählt und bestätigt, der die
weitere Arbeit übernehmen sollte.
Dieser Vorstand traf sich zum ersten Mal am Samstag, dem 13.12.1986 im Marburger
Clubhaus der Lawmen. Bei diesem Treffen wurden eine ganze Menge grundlegender
Punkte geklärt.
So einigte man sich nach langem hin und her auf den offiziellen Namen
"Biker Union". Weiters wurden die Zielsetzungen der Biker Union
festgelegt. Wenn Ihr mehr über die Biker Union wissen möchtet hier die
WWW-Adresse: Biker Union e.V.
.
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So liebe Leser,
Wie Ihr lesen konntet, haben sehr viele negative Ereignisse unsere Szene in
diesen Jahren geprägt, trotzdem gibt es uns noch und wir haben aus diesen
Ereignissen gelernt und haben uns weiter entwickelt in unserer Denkweise. Für ausführlichere
Informationen gibt es bei der Bikers News die Fünf Bücher "Rocker in
Deutschland" in denen aber nicht nur negative Ereignisse enthalten sind,
sondern auch viele schöne Tage unserer Szene.
Jahr
1987.
Im Jahre ´87 hatte die
"Biker Union" sehr viel zu tun. Es galt die Ziele zu definieren und
sich auch außerhalb der Szene bekannt zumachen. Beiräte wurden gewählt und
etliche Sitzungen mussten abgehalten werden, so in Kassel und Mannheim. Auch in
einer Fernsehsendung machte man auf sich aufmerksam.
Höhepunkt der "Biker Union" war aber die 1.Jahreshauptversammlung
in Lübeck.
Die Presidenten-Rally ´87
wird gerade älteren Brothers und Sisters noch gut in Erinnerung sein. Die Bones
hatten quasi im Alleingang eine traditionsreiche Veranstaltung in andere Bahnen
lenken wollen. Das Risiko das die Bones damit eingingen waren, war hoch aber es
hatte sich gelohnt.
Und zwar für die Bones aber auch für die ganze Szene, wie sich im Verlaufe
des Wochenendes zeigte.
Was war aber anders an der Presidenten-Rally ´87?
Die Bones hatten eine neu vorgeschlagene Regel in die Tat umgesetzt, die
Presidenten-Sitzung mit einer Party unter Ausschluss aller Mitglieder
abzuhalten. Eingeladen waren nur die Presidenten, Vize und Secretaries der
einzelnen MCs. Kritik an dieser Regelung gab es im Vorfeld genug, nicht nur aus
Mannheimer und Münchner Kreisen sondern auch aus den eigenen Reihen.
Der offizielle Beginn war, wohl überlegt, auf den Samstag gelegt worden. Man
wollte von vornherein Alkoholleichen keine Chance geben, die dann die doch
Ernste Sitzung durch besoffenes, unqualifiziertes Gequatsche stören würden.
Und so kamen Samstags dann genau nach Plan: nüchterne, ernsthafte und echte
Vertreter der deutschen Motorradrocker-Szene, die unübersehbar entschlossen
waren, neue und alte, bewährte Wege zu gehen. Eine Richtung, die sich schon so
mancher Presi gewünscht hatte, sachlich über Probleme etc. mit anderen Vorständen
zu reden und zu diskutieren.
Leider machte diese Form der
Presi-Sitzung in den folgenden Jahren keine Schule und so wurde durch andere MCs
diese wieder in alter und gewohnter Weise abgehalten. Es ist halt sehr schwer
alte liebgewonnene Traditionen in unserer Szene abzulegen und neue Wege zu
gehen, oft auch zum Nachteil der ganzen Szene. Viele MCs sollten sich darüber
einmal Gedanken machen.
Das Jahr 1988.
Alles zum Wohle unserer
Köpfe, so könnte man die Verkehrs-Politische Entscheidung ansehen die ´88 da
auf uns zugekommen war. Die Herren Verkehrspolitiker hatten entschieden, dass ab
1990 nur noch Helme getragen werden dürften, die der ECE-Regelung entsprechen.
Strafe bei Benutzung des alten Helms 40,-DM.
Und wieder einmal wollte uns der Staat vorschreiben, was für uns am Besten
ist. Was darauf folgte war ein großer Aufschrei nicht nur in der Rocker- und
Bikerszene, sondern bei allen Motorradfahrern Deutschlands. Auch die Biker Union
war damals auf den Plan gerufen worden und so fand ein Helmet Law Run nach Bonn
und in Bonn statt. Die zweite Demo in unserer Geschichte nach der Plakat-Demo.
1800 Leute, auf 1297 Bikes (es wurde genau gezählt) fanden damals Samstags
den Weg nach Bonn. Insgeheim hatte man mit mehr Teilnehmern gerechnet, aber das
Wetter im September war nicht berechenbar, obwohl es den ganzen Nachmittag
trocken blieb. Ein Freund von mir und ich fuhren auch auf die Demo und erst auf
der halben Strecke der Heimfahrt bekamen wir den Arsch gewaschen.
Die Demo selbst jedoch lief trotz allem von Anfang bis Ende diszipliniert ab.
Unser damaliger Verkehrsminister hatte zwar sein kommen angekündigt, erschien
dann aber doch nicht. Warum wohl?
Hatte er Angst vor uns, dieses Helm-Gesetz zu erläutern, sich vor uns zu
rechtfertigen!
Was sonst noch im Jahre
1988 passierte ließ unsere Szene wieder erschrecken und aufhorchen.
Als erstes war da das Verbot der Münchener War Angels durch den Bayerischen
Staatsminister des Inneren am 29.2.88.Bisher hatte man noch gedacht, ein
Vereinsverbot könnte nur einen großen und bekannten MC wie die Hells Angels
treffen, aber dies war falsch gedacht. Der damals von vielen prophezeite Feldzug
gegen Rocker und Biker war kein Hirngespinst sondern Wirklichkeit.
Die War Angels wurden mit Schwindel-Argumenten verboten. Wie zuvor den Hells
Angels so wurde auch damals hier mit Argumenten ein Vereinsverbot untermauert,
dass an unserem Rechtsstaat zweifeln ließ.
Noch undurchsichtiger wird die Sache, wenn man bedenkt, dass laut Aussage des
Ministeriums das MC seit 1983 observiert wurde aber erst jetzt Verboten wurde,
wo sich der MC bemühte, ein ganz offizieller Verein zu werden. Zuerst wurde dem
MC gesagt, sie sollen sich als e.V. eintragen lassen, dann erscheinen zwei
Zivilpolizisten beim Presi und legen ihm nahe, den Antrag zurückzuziehen, da
der MC sonst verboten würde. Dann nach dem Rückzug des Antrags flattert wenig
später dem MC die Verbotsverfügung ins Haus. So also funktioniert der
Rechtsstaat! Zudem wurde die festgelegte Satzung des MCs die sie ja als e.V. benötigt
später umgedreht und dies auf eine völlig übelste Weise.
Und so reagierte der Anwalt des MCs mit einer Anfechtungsklage, da diese
vorgebrachten Argumente gegen den MC nicht haltbar waren.
Der nächste
rechtsstaatliche Schlag war der Überfall mit GSG-9 und BKA gegen das Bones MC.
Am 29.7.88 wurden zahlreiche Bones festgenommen und bis auf einen am nächsten
Morgen wieder freigelassen. In der Presse war damals zu lesen, dass angeblich
Waffenlager und Rauschgift gefunden wurden. Dass an nahezu allen
Beschuldigungen, die verbreitet wurden, nichts dran war, ist der Öffentlichkeit
jedoch nicht mitgeteilt worden. Diese Aktion gegen einen Club strotzte nur so
vor Rechtsbrüchen und Unverhältnismäßigkeiten der eingesetzten Mittel.
Aber wie kam es zu diesem Polizeieinsatz!
In der Ludwigshafener Gegend hatte es 1986 einen brutalen Überfall auf einen
Geldboten gegeben, bei dem dieser mit einer Pump-Action-Flinte erschossen wurde.
Der angebliche Zusammenhang mit den Bones blieb aber unklar. Bei einem anderen
Überfall 1986 im badischen Brühl sind die beiden verwendeten Maschinenpistolen
allerdings von einem Mann besorgt worden, der einmal Member des MCs gewesen war.
Da die Spuren der Sonderkommission ergebnislos waren, wandte man sich nun den
Bones zu, gegen die seitens des BKA der Verdacht auf Handel mit Kriegswaffen und
Rauschgift geäußert wurde.
Am 29.7.86 wurden die Razzien in verschiedenen Bundesländern gestartet, überall
zu nächtlicher Zeit, was gegen die Strafprozessordnung ist. Das Vorgehen der
Staatsmacht war dabei vor allem beim Chapter Bonn derart, dass man vermuten
muss, die beteiligten Beamten hätten zuviele Rambo-Filme gesehen(wie auch der
"Spiegel" kritisch bemerkte).In Bonn wurde sogar vor Hochzeitsgästen
nicht halt gemacht, wobei völlig Unbeteiligte Personen massiv bedroht wurden,
darunter die 82jährige Großmutter des Presis.
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Zeitgleich wurde das Clubhaus
der Bones im alten Bahnhof im Elsafftal gestürmt durch die GSG-9;stilgerecht
mit Panzerwagen, Nebelgranaten usw. .Die Einrichtung wurde dabei kurz und klein
geschlagen. Erstaunlich daran ist, dass die Polizisten sich erst gegen Ende des
Einsatzes als solche zu erkennen geben. Gesetzlich vorgeschriebene Vorlagen von
Durchsuchungsbeschlüssen und Personalienfeststellungen gibt es nicht.14 Stunden
warten die Festgenommenen auf ihr Verhör ,gefesselt mit Plastikfesseln, private
Anrufe oder solche beim Anwalt wurden nicht zugelassen, weitere Gesetzesverstöße.
Einigen Personen wird sogar mit Erzwingungshaft gedroht, wegen der Weigerung,
ohne Anwalt auszusagen. In Frankfurt und Mannheim sieht es nicht viel besser
aus.
Der Einsatz und die sinnlose Zerstörungen beschäftigten sogar Politiker und
man forderte eine parlamentarische Klärung dieses, für einen Rechtssaat so unmöglichen
Einsatzes. Aber nicht nur das, auch in den Medien und vor allem der Presse wurde
das MC derart in Verruf gebracht, dass man an unserer Presse schon zweifeln muss
Objektiv berichten zu können. Selbst die Vermittlung der Biker Union in diesem
Bereich brachte nichts. Man verschwieg der Öffentlichkeit den Fehlschlag der
Aktion und der durch nichts zu begründeten Tatvorwürfen. Die Polizei zeigte
sich großzügig und bot den Bones für die entstandenen Schäden, eine
Schadensrechnung einzureichen an. Die dann der Steuerzahler zu begleichen hatte.
Im November folgte ein
genauso durchgeführter Schlag, gegen das Gremium MC Mannheim. Auch dort sollten
sich später die Vorwürfe als heiße Luft herausstellen, aber hier hatte das
Innenministerium in Stuttgart ein Vereinsverbot nach § 129 StGB vollstreckt.
Das Jahr 1989.
In diesem Jahr
beherrschte vor allem die Polizeiaktionen des letzten Jahres unsere Szene, wer würde
der nächste sein? Sind wir sicher vor unserem Staat?
Wie auch bei den Bones,
wurde das Gremium MC durch die Presse in eine Ecke geschoben, in die es nicht
gehört. Auch hier waren die Vorwürfe nicht haltbar, aber zugeben wollte dies
die Staatsanwaltschaft und die Polizei wie meist nicht.
Das Schweigen wurde nach dem Medienwirbel dann durch Anwälte, gemeinsam mit
Sprechern des MCs und Vertretern der Biker Union gebrochen. Es wurde eine
Pressekonferenz abgehalten, die anders als bei den Bones sogar klappte. Alle
Vorwürfe konnten durch Dr. Härdle, Anwalt des Gremium-Mannheim-Presi Mike
Heyer widerlegt werden. Ferner wurde bekannt gegeben, dass Klage beim
Verwaltungsgericht Mannheim eingereicht wurde in Bezug auf das Vereinsverbot, da
dieses rechtswidrig sei und keinerlei Voraussetzungen dafür bestünden.
Die MC-Verbote beschäftigten natürlich
unsere Szene und so war man gespannt wie die Klagen der MCs ausgehen würden.
Die Hamburger Hells Angels hatten in letzter Instanz vor dem
Bundesverfassungsgericht verloren, ihnen blieb nur noch die Möglichkeit vor den
Europäischen Gerichtshof zu ziehen. Das War Angels Verbot wurde durch den
Verwaltungsgerichtshof in München aufgehoben. Die Member des Gremium MCs
verloren ihre Klage vor dem Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg in
Mannheim. Die Richter sahen die Ermittlungen als bestätigt an und so blieb das
Verbot bestehen. Aber das Gremium MC gab nicht auf und sollte später auch ihr
Recht bekommen.
Das Jahr 1990.
Im Jahre 1990 beherrschte vor
allem der Prozess gegen das Gremium MC Germany unsere Szene. Was
aber sonst noch so passierte, werde ich nach dem Fertigstellen meines Skripts
Euch liebe Leser vorstellen.
Viele von Euch Lesern dieser
Seiten fragten schon an wann den nun die Fortführung der History kommen würde.
Sorry, liebe Leser, gut Ding braucht Zeit. Aber im ernst, ich arbeite nun wieder
dran. Durch etliche Private Dinge die im vergangenen Jahr waren bin ich leider
nicht dazu gekommen. Ich hoffe Ihr habt Verständnis.
So liebe Leser, ich hoffe mit
dieser Chronik über unsere Szene habe ich euch einen kleinen Einblick in unsere
Welt gegeben. Zugegeben erscheint diese manch mal sehr hart aber es gibt auch
wie ich im ersten Teil schon sagte, viele schöne Momente, die keiner von
uns missen möchte. Unsere Szene hat sich weiterentwickelt in den Jahren und heute kämpfen wir meist nur noch gegen Gesetze die durch die Einführung der EU
auf uns zukommen. Aber auch etliche szeneninterne Ereignisse (wie MC-Zusammenschlüsse) haben die letzten Jahre geprägt.
Ich werde diese Chronik natürlich fortsetzen um einen Einblick in
unser Leben und Handeln zu geben.
So long,
Martin
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